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Wia i bin! …Aber wie ist er?

Herzipinki, Mostviertler Bua, Musik der Alpen ist auf seiner Homepage zu lesen und als Draufgabe gibt’s einen feschen Buam in Lederhose, am Holzzaun sitzend. Dahinter spiegelt der See die ganze Schönheit der Gegend…

Aber Hallo? Das große Spiel auf der Klaviatur der älplerischen Klischees? Zu leicht könnte man den jungen Mann als Tourismusprospekt-Model in eine Schublade stecken. Als einen, der mit seinem Mundart-Pop Angesagtes als Trendsurfer reitet. Es wäre in der Tat ein zu vorschnelles Urteil, denn der Mann ist tatsächlich so wie er sich gibt. Und: Dort, wo er seinen Most herholt stammt er auch her. Der Schein ist Sein und wenn Chris sein erstes Album ‚Wia i bin‘ taufen wird, dann taucht klarerweise auch die Frage auf: Wie ist er?

Bertl, Chris. Sternzeichen Löwe. Geboren am 3. August und die Sonne hat ihm den Willen in die Wiege gelegt. Aufgewachsen in Göstling an der Ybbs, Niederösterreich. Die Steiermark ist eine Alm weit entfernt. Mariazell, Wildalpen… Märchenlandschaft. Die Fotos, mit denen er den  Zutritt zu seiner Homepage garniert, die wurden dort geschossen wo er als Kind herumgeteufelt ist. In seiner Heimat.

Vater, Mutter, die jüngere Schwester. Chris lernt Koch, denn es braucht eine abgeschlossene Ausbildung und außerdem macht der Beruf Spaß. Lustiger allerdings war immer schon das Musizieren. Fünf Instrumente hat er der Reihe nach als Kind zu lernen begonnen aber Üben war halt nicht sein Ding. Singen als Hobby, das war’s und wie er dann mit 19 Jahren nach Wien gegangen ist, hat er seine Leidenschaft beim Karaoke ausleben können. Dabei lernt er andere kennen, denen es nicht viel anders ging als ihm. Aus nicht viel anders wurde ‚Jetzt anders!‘. Eine Band die aus Starmania hervorging und wo ein gewisser Tom Neuwirth mit dabei war. Die Freundschaft zu Tom war der Antrieb es auch einmal bei Casting-Shows zu probieren und siehe da, man hat da Chris nicht gleich wieder die Tür gewiesen. Bei Starmania versuchte er sich an Celine Dion. Gleich dicke Bretter bohren aber die Latte lag da halt schon sehr hoch. Bis zur Show hat es dann nicht gereicht, aber die Motivation war da und so zog er von einem Casting zum anderen. Popstars Österreich, Popstars Deutschland und mit jeder Jury-Beurteilung war klar: Da muss mehr Professionalität rein. Chris nahm Gesangsunterricht, lernte richtig zu atmen, besuchte Workshops und wurde dabei immer besser.

Das Leben war auf Vollgas geschalten. Zur Kochausbildung absolvierte er noch die Kellner-Prüfung weil er für sich herausfand, dass seine wahre Leidenschaft im Service liegt. ‚Ich bin gern für Menschen da‘, sagt er. Auf der Bühne ebenso wie im Lokal, wo er es mittlerweile zum Co-Geschäftsführer gebracht hat und im Trubel der Zeit auf einmal ein 3er vor der Jahreszahl stand.

Jetzt Popstar werden? Dann schon lieber dem nachgehen, auf das er immer gestanden ist aber unter der Decke geblieben war weil ja angeblich nicht hip: Mundart-Pop, Stimmung, Hüttenkracher… Musik mit der er aufgewachsen war und die mittlerweile richtig angesagt ist. Bei dem Produzenten Andy Prinz stieß er mit seiner Stimme, seinen Songs auf Interesse und der erfahrene Musiker, nahm ihm unter seine Fittiche. Weitere Songs entstanden und irgendwann mussten die Lieder auch auf die Straße. Getestet werden am lebenden Objekt. Das härteste Pflaster ist wohl dort, wo man ihn kennt, wo die Leute dir gleich sagen ob das was er da macht was taugt oder er eher damit einpacken kann. Chris Bertl organisierte sein erstes eigenes Konzert: Heimspiel in Göstling.

Am Hauptplatz wurde nicht gekleckert. Eine große Bühne, Background Vocals und befreundete Talente von ihm – zu einem Elfi Gröbl, die ihn mit ihrer starken Stimme bei einigen Duetten unterstützte, sowie auch Elfis Bruder Tobias, der ihn auf der Steirischen zur Göstling-Hymne „Hoamat“, begleitete. Ticketverkauf. Alles was es braucht um nicht popelig zu wirken sondern als ernst zu nehmen.

Frühjahr 2014. Der Techniker schob die Regler zum Opening hoch und es begann zu schütten. ‚Ich hab nur gedacht: Was für ein Sch****… Die Leute stehen da alle mit den Regenschirmen, keiner sieht was und bald sind sie weg. Alles für die Katz…Ich hätt plärren können‘, erinnert er sich aber unverhofft kommt manchmal doch oft. Die 500 Zuseher sind geblieben, haben ihren Buam nicht von der Bühne gelassen und wie die Regler nach zwei Stunden am Ende wieder runtergezogen wurden, war auch der Regen vorbei. Alles gut! Der Bürgermeister hat schon nach einer Wiederholung gefragt und auch die Nachfrage nach seinem ‚Heimatlied‘, dass er insgesamt siebenmal bei seiner Show singen musste, hat gezeigt dass der Chris am richtigen Weg ist.

Und jetzt? Mittlerweile managet er sich selbst, die Liste der Auftritte wird immer länger, Freunde helfen beim Aufbau der Karriere. Alles wird nun professionell angegangen: Homepage vom Feinsten, tolle Fotosession, Grafik, Back-Office. Nichts wird mehr dem Zufall überlassen und man merkt: Der Chris weiß was er will, hat aus den Erfahrungen viel gelernt und die Zeit scheint einfach reif zu sein. Ja, auch das Debut-Album steckt bereits in der Pipeline. Programmatischer Titel: Wia i bin!

by Andy Zahradnik


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